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16 Feb Zum Tod von Ulrich Rösch

Die Freiheitsgestalt des Sozialen Organismus als Leitmotiv

Ulrich Rösch hat sich in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 2014 von der Erde verabschiedet.

Uli ist bereits als 17-Jähriger auf dem Lörracher Marktplatz durch Wilfried Heidt mit dem Impuls der Drei­gliederung des sozialen Organismus in Berührung gekommen, eine Begegnung, die sein Leben prägen sollte und ihn dazu geführt hat, an vielen der verschiedenen Achberger Arbeitszusammenhängen tatkräftig mitzuwirken. So hatte er sich engagiert in die Ideenbildung und das Ringen um einen Dritten Weg jenseits von Kapitalismus und Sozialismus in den 1970er Jahren eingebracht und war zusammen mit Kathrin Dieterle maßgeblich an der Gründung der Wangener Waldorfschule beteiligt und da von 1976 bis 1982 auch als Klassenlehrer tätig.

Nachdem dann auch noch der Schulbau in Wangen 1981/82 auf dem ehemaligen Erbagelände realisiert und auch finanziert(!) war, hat sich Uli umgehend an die nächste große unternehmerische Aufgabe gemacht und die Rakattl Werkkunst GmbH mit Läden u.a. in Lindau, Wangen und Konstanz gegründet, die er bis zuletzt als Rakattl Textil-Design & Werkkunst GmbH mit seiner Frau Cornelia betrieben hat. Sie war ihm eine zentrale Mitstreiterin und tatkräftige Partnerin, an deren Rat und aktiver Unterstützung ihm außerordentlich viel lag.

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Es fällt schwer zu überblicken, in wie vielen wirtschaftlichen Zusammenhängen Ulrich Rösch mitgewirkt, beraten und impulsiert hat. Neben seiner großen Wertschätzung der Arbeit von Joseph Beuys und dessen Idee der Sozialen Plastik war er ebenso unermüdlich in Sachen Dreigliederung unterwegs, deren wichtige Erweiterung und Vertiefung durch Wilhelm Schmundt ihm besonders am Herzen lag. Insbesondere diese Beziehung war es, die die Arbeit von Uli ausgezeichnet hat. Er war Schmundt nicht nur persönlich außerordentlich verbunden, sondern gehörte zu den wenigen Zeitgenossen, die ihn intensiv studiert und wirklich verstanden haben.

Diesen Gesamtimpuls trug er nicht zuletzt nach Amerika und Taiwan, wohin er in den letzten Jahren regelmäßig eingeladen worden war. Noch vor kurzem half er mit, dass eine Schule für biologisch-dynamische Landwirtschaft in Vinobaji Puram, Tamil Nadu in Südindien aus der Taufe gehoben werden konnte.

Überhaupt hat es Uli verstanden, nicht nur Unternehmungen unter den modernen wirtschaftlichen Verhältnissen zu gründen und zu führen, was schon Anerkennung genug verdient, sondern es gelang ihm darüber hinaus Überschüsse an kulturelle und zivilgesellschaftlich relevante Projekte selbstlos weiterzuleiten.
Auch seine Zeit als Mitarbeiter der Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum in Dornach – von 1999 bis 2011 – hat Uli genutzt, um dort sein besonderes Verständnis des Dreigliederungsimpulses zur Geltung zu bringen.

Nach dem Tod von Wilfried Heidt wurde er wieder in den Vorstand des Internationalen Kulturzentrums Achberg e. V. berufen, wo er versuchte, einige Neuansätze zur Renovation und Neubegründung, insbesondere für die Bewirtschaftung des Humboldt-Hauses, einzubringen.

Uli Rösch war ein weltoffener, weltzugewandter Mensch, der seinen Zeitgenossen stets mit Freundlichkeit und mit einem von Herzen kommenden Lächeln begegnete. Wir haben ihn auch dafür geliebt. Seit Jahrzehnten kontinuierlich mit ihm in der Arbeit um die Idee der Dreigliederung verbunden, verlieren mit ihm – irdisch gesehen – einen guten Freund, Bruder und Mitstreiter.
Rainer Rappmann, Achberg/Wangen – Johannes Stüttgen, Düsseldorf – Michael Bader, Göppingen – Peter Schata, Krefeld – Christine Hahn, Wangen – Christoph Strawe, Stuttgart – Jochen Abeling, Hamburg – Annette Wölfle, Lindau – Herbert Schliffka, Achberg – Ingrid Feustel, Wangen – Stephan Siber, Wien – Franz Hansert, Hamburg – Ulrich Hölder, Stuttgart – Christoph Klipstein, Achberg – Peter Schlefsky, Achberg – Tom Tritschel, Bochum – Barbara Messmer, Frankfurt/M. – Rainer Lindermayer, Frankfurt/M.

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