07 Mrz Wärmeblock IV im Haus der Geschichte, Stuttgart

Wärmeblock aus afghanischen Rosenziegeln am Sa., den 17.03.2018, ab 19:00 Uhr bei der „Langen Nacht der Museen 2018“ im Haus der Geschichte, Konrad-Adenauer-Str. 16, 70173 Stuttgart

Die Stiftung Media mit Sitz in Stuttgart arbeitet seit vielen Jahren an unterschiedlichsten Aufgabenstellungen der sozialen, ökonomischen und ökologischen Erneuerung und ist eng mit der Arbeit des Künstlers Joseph Beuys und dessen Idee der „Sozialen Plastik“ verbunden, wie diese in den 1970er-Jahren entwickelt und bei verschiedensten Aktionen umgesetzt wurde.

Die Stiftung befasst sich u. a. auch mit dem ökologischen Anbau von Duftrosen („Rosa damascena“) und insofern auch mit dem Thema der Rosendestillation. Hier entsteht am Ende eines facettenreichen Verarbeitungsprozesses eine Art Rosenmaische aus den ausdestillierten Rosenblütenblättern, die üblicherweise entsorgt oder kompostiert wird. Nicht so in Afghanistan, wo die Deutsche Welthungerhilfe e. V. seit mehr als 10 Jahren das Projekt „Rosen statt Opium“ verfolgt und mit ca. 700 afghanischen Bauern durch Verarbeitung von 250 ha Duftrosen an einer konkreten Alternative zum Drogenanbau arbeitet. Solide Einnahmen im Raum Nangarhar zeigen, dass die Rosenölproduktion – auch wegen weltweit steigenden Bedarfs – zumindest für einige Menschen in dieser Region eine neue Lebensgrundlage bilden kann. Das Projekt läuft inzwischen selbstständig und unabhängig von der Welthungerhilfe und ist ein schönes Beispiel gelungener Entwicklungsarbeit.

Nach Abschluss des Herstellungsprozesses in Afghanistan wird die Rosenmaische in Holzformen gestrichen und an der Sonne getrocknet – ähnlich der traditionellen Lehmziegelproduktion. Es entstehen auf diesem Wege archaisch anmutende Rosenbriketts oder besser Rosenziegel aus „Rosenstroh“, die dort als wohlriechender Brennstoff Verwendung finden und von denen mittlerweile einige 1.000 Stück nach Deutschland verbracht wurden. Die Rosenziegel wurden künstlerisch bearbeitet und bei zwei Perfomances in Kirchheim/Teck und Basel zu einem Wärmeblock aufgeschichtet, die in Erinnerung an die Energie-Speicher von Joseph Beuys ein weiteres Mal als Wärmeelemente ihre Kraft entfalten, indem durch den Abbau des Wärmeblocks ein Spendenstrom für neue Projekte entsteht und den Wärme-Kreislauf weiterführt. Der Rosenblock als Wärmeblock und Energiespeicher steht für die Transformation des Denkens wie auch der sozialen Verhältnisse als kreativer und evolutionärer Prozess. Wie im Märchen von Rumpelstilzchen, bei dem die fleißige Müllerstochter Stroh zu Gold verspinnt, wird „Rosenstroh“ in Spenden-Gold verwandelt und dies in diversen öffentlichen Kunstaktionen unter Einbeziehung aller Besucher.

Für eine entsprechende Spende können Interessenten beim Abbau des Rosenblocks mitwirken und ein kleines Stückchen konzentrierter Rosenenergie mit nach Hause nehmen.

Wärmeblock IV

Der aktuelle „Wärmeblock IV“ besteht aus afghanischen Rosenziegeln, die ebenfalls einer aufwändigen Bearbeitung unterzogen und durch Färbung und Aufbringung von echtem Blattgold weiter veredelt wurden. Auch bei dieser Edition ist der besondere künstlerische Ansatz der Arbeit von Bedeutung, der nicht in einer individualistischen Verzierung, sondern in einer Manufaktur-mäßig gleichartigen, wenn auch nicht identischen Bearbeitung der Rosenziegel liegt. So werden die Rosenziegel auf eine gemeinsame Aufgabe „gestimmt“, um auf diese Weise Teil eines in sich einheitlichen Wärmeblocks werden zu können. „Gestimmt“ im Sinn eines ideellen Gleichklangs für die Idee einer verantwortungsbewussten und solidarischen Globalisierung, die anstelle grenzenloser Ausbeutung menschlicher und natürlicher Ressourcen ärmerer Länder Gemeinwohl- orientiert funktioniert und dazu beiträgt, dass immer auch ein fairer Anteil an den Ausgangspunkt globaler Wertschöpfungsketten zurückkehrt. Nachhaltige Globalität statt Profit-gesteuerter Globalisierung, auch dafür steht der Rosenblock und veranschaulicht das Prinzip einer gemeinsamen globalen Verantwortung für die soziale und ökologische Zukunft der Gesellschaft. „Globalisierung zum Nutzen aller!“

Wärmeblock IV“ wird in einem öffentlichen Transformations- und Umschmelzungsprozess des Rosenstrohs in Spenden-Währung abgebaut (Achtung: keine Brandgefahr). Die erzielten Erlöse werden in Afrika und in Afghanistan, dem Herkunftsland der Rosenziegel, einen kleinen Beitrag für eine bessere Zukunft leisten. Neben einem Beitrag für 2 Schulen in der Region um Dschalalabad wird ein wichtiges Förderprojekt der Stiftung Media – nämlich eine Jugendmusikschule in Marokko – mit den Erlösen des Rosengoldes unterstützt. Diese, ursprünglich von Angelika und Dietrich Harthan ins Leben gerufene, Initiative bietet mittlerweile mehr als 100 Schülern regelmäßigen Musikunterricht und braucht für den weiteren Ausbau der Arbeit dringend eigene Räumlichkeiten. Die Förderung dieses Projektes ist für die Stiftung eine höchst willkommene Gelegenheit, einen Bildungsbeitrag in einem der Herkunftsländer unserer in Deutschland Schutz Suchenden zu fördern, aus dem sich in Zukunft vielleicht weitere Initiativen werden ableiten lassen (http://www.stiftung-media.de/web/de/media-goes-africa/).

Der afghanische „Rosen-Abfall“ trägt dazu bei, als Spendengold aus Rosenstroh bei verschiedenen Art-Events neue Hoffnungen und Perspektiven in die Welt zu tragen. Das Projekt steht damit auch für „Soziale Plastik“ als Methode, Menschen zu ermutigen, Mitgestalter an der Entwicklung gesellschaftlicher Wirklichkeit zu werden. Soziale Plastik bezieht sich auf Transformationsprozesse im Sinne plastischer Gestaltungen an der lebendigen Skulptur moderner Gesellschaften mit dem Ziel, jeden Einzelnen zum Mitgestalter seiner kulturellen, sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Zukunft werden zu lassen: „Jeder Mensch ein Künstler“.


Michael W. Bader

Stiftung Media

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